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Permafrost und Klimawandel: Helmholtz-Expertise auf der COP31

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Verschiedene Expert:innen des Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) sind auch in diesem Jahr wieder auf der COP. Wir haben mit einigen der Wissenschafter:innen bereits vor der COP gesprochen: Welche Lösungen haben sie im Gepäck?

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Prof. Dr. Hugues Lantuit | "Das ist für mich der Maßstab: Lösungen, die vor Ort wirken."

Fragen an Prof. Dr. Hugues Lantuit, Leiter der Arbeitsgruppe Permafrost-Küsten. Er bringt seine Expertise zu arktischen Küstenprozessen, Geochemie der arktischen Küstengebiete sowie zur Zusammenarbeit mit arktischen Gemeinschaften vor Ort in Antalya ein.  

Sie fahren zur COP — welche Lösungen bringen Sie mit nach Antalya?

"Ich bringe keine großen geopolitischen Versprechen mit, sondern konkrete Erfahrungen aus der Arbeit mit arktischen Gemeinschaften. Gemeinsam mit den Inuvialuit im westlichen kanadischen Arktis entwickeln wir Anpassungslösungen für Küstenorte, die durch Permafrostauftauen und Küstenerosion akut bedroht sind — von Monitoring-Systemen bis hin zu Entscheidungshilfen, die direkt in die lokale Planung einfließen. Das ist für mich der Maßstab: Lösungen, die vor Ort wirken."

Portrait Prof. Dr. Hugues Lantuit

Prof. Dr. Hugues Lantuit, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Welche Erkenntnis aus Ihrem Forschungsbereich sollte sich in den Ergebnissen der COP31 widerspiegeln?

"Der Permafrost taut schneller auf als die meisten Klimamodelle vorhergesagt haben — mit massiven Folgen für arktische Küsten, für den globalen Kohlenstoffkreislauf und für die Menschen, die dort leben. Die COP31 muss anerkennen, dass der Kryosphäre in den Klimaverhandlungen systematisch zu wenig Gewicht beigemessen wird. Ein klares Bekenntnis zu kryosphärensensitiven Minderungszielen wäre ein überfälliges Signal."

Wo wurden wissenschaftliche Erkenntnisse bereits aufgegriffen — was ist gut gelaufen?

"Die Integration von Permafrostdaten in den IPCC-Prozess hat sich deutlich verbessert. Und ich sehe, dass lokale Entscheidungsträger in der Arktis zunehmend auf wissenschaftliche Grundlagen zurückgreifen — das war vor zehn Jahren noch kaum der Fall. Für mich persönlich ist es ermutigend, wenn Inuvialuit-Gemeinschaften unsere Forschung aktiv einfordern und mitgestalten. Das ist echter Fortschritt."

State of the Cryosphere Report 2026

Anfang November 2026 hat die International Cryosphere Climate Initiative (ICCI) den "State of the Cryosphere Report 2026 – The Cost of Overshoot" veröffentlicht. 

Weitere Informationen

COP31 Cryosphere Pavilion

The COP31 Cryosphere Pavilion will provide a space for exhibits, science-policy seminars (side events), and ministerial-level events with representatives from polar, mountain, coastal, and downstream nations; all affected by the impacts of cryosphere loss.

Side Events Schedule

  • Montag, 09.11., 18:00 Uhr Cryosphere Pavilion Antarctica and the Global Climate: Science, Infrastructure and Cooperation
  • vrsl. Dienstag, 10.11., 18 Uhr, Cryosphere Pavilion AMOC in Focus: Towards a Scientific Consensus to Inform Climate Policy Under Uncertainty
  • Freitag, 13.11. Cryosphere Pavilion, Permafrost Day tbd
  • Dienstag, 17 .11., 13:15 bis 14:45 Uhr, UNFCCC Side Event Integrated Security and Climate Change: Building Resilience Amid Geopolitical Challenges
Dr. Anna Maria Irrgang | "Die Kryosphäre ist kein entfernter Frühwarnindikator, sondern Teil unserer heutigen Lebensrealität." 

Dr. Anna Irrgang ist Expertin für Permafrost, arktische Küstenprozesse sowie Permafrost-Temperatur und ist in Antalya vor Ort.

Weitere Informationen zum Thema: 

Expertise

Welche Erkenntnis aus Ihrem Forschungsbereich sollte sich in den Ergebnissen der COP31 widerspiegeln?

"Die Kryosphäre ist kein entfernter Frühwarnindikator, sondern Teil unserer heutigen Lebensrealität. Auftauender Permafrost destabilisiert Infrastruktur, verändert Ökosysteme und kann zusätzlich Treibhausgase freisetzen. Ereignisse wie die Überschwemmungen in Nepal und Tibet zeigen, wie eng Veränderungen der Kryosphäre mit gesellschaftlichen Risiken verbunden sind. Es ist deshalb wichtig Klimaschutz und Anpassung zusammendenken, Treibhausgasemissionen jetzt zu reduzieren und gleichzeitig in belastbare Beobachtungs- und Frühwarnsysteme zu investieren."

Anna Irrgang, AWI

Dr. Anna Irrgang, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Wo wurden wissenschaftliche Erkenntnisse bereits aufgegriffen — was ist gut gelaufen?

"Die Kryosphäre ist heute deutlich sichtbarer in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Der Rückgang von Gletschern und die rasche Erwärmung der Arktis sind längst Teil der öffentlichen Klimadebatte und auch die Bedeutung von Permafrost wird zunehmend erkannt. Besonders erwähnenswert finde ich, dass dabei die Perspektiven Indigener und lokaler Gemeinschaften immer stärker berücksichtigt werden. Sie haben einen weniger fragmentierten Blick auf die Veränderungen der Umwelt und sind diesen unvermittelt ausgesetzt und müssen bereits heute handeln. Lokal tragfähige Anpassungsstrategien zu entwickeln gelingt am besten, wenn wir alle Wissensformen zusammen bringen und gemeinsam an Lösungen arbeiten."

Sie fahren zur COP — welche Lösungen bringen Sie mit nach Antalya?

"Wir bringen Wissen, Daten und ein starkes internationales Netzwerk mit. Denn um das Fortschreiten des Klimawandels zu verstehen und seine Folgen belastbar abzuschätzen, brauchen wir langfristige, vergleichbare und qualitätsgesicherte Beobachtungsdaten. Mit dem Globalen Netzwerk für Permafrost (GTN-P) bündeln wir solche Messungen weltweit und machen sie für Forschung und Modellierung zugänglich. Erst kontinuierliche Datenreihen zeigen, wie schnell sich Permafrost verändert und welche Folgen das für Ökosysteme, Infrastruktur und Treibhausgasfreisetzung haben kann. KI eröffnet zusätzliche Möglichkeiten, diese Daten mit anderen Beobachtungen zu verknüpfen und neue Zusammenhänge sichtbar zu machen."

Dr. Jens Strauss | "Dass die Kryosphäre und damit die Arktis heute überhaupt als eigenständiges Thema in Klimaverhandlungen auftaucht, ist kein Zufall."

Fragen an Dr. Jens Stauss, Experte der Permafrost Geochemie, der Quantifizierung tiefer Kohlenstoffspeicher im Permafrost sowie der Anfälligkeit von organischen Materialien im Permafrost für Mobilisierung. Auch er begleitet die Weltklimakonferenz vor Ort. 

Expertise

Wo wurden wissenschaftliche Erkenntnisse bereits aufgegriffen — was ist gut gelaufen?

"Die Permafrostforschung hat in den vergangenen Jahren deutlich mehr Gehör gefunden; in internationalen Gremien, im IPCC-Prozess und zunehmend in der politischen Kommunikation rund um die COPs. Dass die Kryosphäre und damit die Arktis heute überhaupt als eigenständiges Thema in Klimaverhandlungen auftaucht, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Überzeugungsarbeit. Ob daraus politisches Handeln folgt, ist meine große Hoffnung. Sicher ist, dass das Bewusstsein gewachsen ist, und das ist eine notwendige Voraussetzung für alles Weitere."

Dr. Jens Stauss, AWI

Dr. Jens Stauss, Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)

Welche Erkenntnis aus Ihrem Forschungsbereich sollte sich in den Ergebnissen der COP31 widerspiegeln?

"Der Permafrost taut schneller auf als gedacht, und mit ihm werden gigantische Kohlenstoff- und andere Speicher freigesetzt. Diese Emissionen entsprechen einem weiteren Industrieland, das bisher in keinem Klimaszenario vollständig berücksichtigt wird. Noch gravierender: Jede weitere Erwärmung beschleunigt diesen Prozess unwiderruflich. Overshoot ist keine gangbare Option, die „Zinsen“ wären weit höher als bisher kalkuliert. Die COP31 darf diesen Weg nicht als akzeptabel kommunizieren. Es braucht jetzt alle Anstrengung, konkrete Minderungsziele umzusetzen."

Sie fahren zur COP — welche Lösungen bringen Sie mit nach Antalya?

"Grundlagenforschung ist keine Sofortmaßnahme, aber ohne sie gibt es kein Problembewusstsein, keine fundierten Klimaziele, keine ehrlichen Szenarien und damit auch keine Lösungen. Ich bringe aktuelle Daten aus der Permafrostforschung mit: Der Permafrost taut schneller auf als die Modelle vorhergesagt haben, und die wieder verfügbar werdenden Kohlenstoffspeicher sind gewaltig. Diese Emissionen entsprechen einem weiteren Industrieland, und finden in den meisten Klimaszenarien noch immer keine angemessene Berücksichtigung. Das anzusprechen ist mein Beitrag."

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