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06.11.2026

Klima und Nachhaltigkeit: Helmholtz-Expertise auf der COP31

Puzzle Nachhaltigkeit
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Naiyana / Adobe Stock

Zahlreiche Expert:innen des RIFS - Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit | am GFZ sind auch in diesem Jahr wieder auf der COP und bringen ihre unterschiedliche Perspektiven ein. Wir haben mit einigen der Wissenschafter:innen bereits vor der COP gesprochen: Welche Lösungen haben sie im Gepäck?

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Dr. Germán Bersalli | "Ich bringe keine einzelne technische Lösung mit nach Antalya, sondern Erkenntnisse dazu, wie die Energiewende politisch tragfähig und sozial gerecht gestaltet werden kann." 

Fragen an Germán Bersalli, der u. a. zu den Themen „Green Backlash“, Wirksamkeitsbewertung klimapolitischer Maßnahmen und Dekarbonisierung forscht und in Antaly vor Ort ist.

Expertise

Sie fahren zur COP, welche Lösungen bringen Sie mit nach Antalya

"Ich bringe keine einzelne technische Lösung mit nach Antalya, sondern Erkenntnisse dazu, wie die Energiewende politisch tragfähig und sozial gerecht gestaltet werden kann. Der Ausbau erneuerbarer Energien gelingt langfristig nur, wenn lokale Gemeinschaften frühzeitig beteiligt werden und vor Ort ein erkennbarer Mehrwert entsteht, etwa durch Beschäftigung, kommunale Einnahmen oder günstigere Energie. Zugleich müssen wir besser verstehen, wie Desinformation und politischer Widerstand Klimapolitik schwächen. Auf der COP möchte ich europäische und lateinamerikanische Erfahrungen zusammenbringen und daraus konkrete Ansätze für gerechte Transformationen ableiten."

Germán Bersalli

Dr. Germán Bersalli, RIFS - Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit | am GFZ

Welche Erkenntnis aus Ihrem Forschungsbereich sollte sich in den Ergebnissen der COP31 widerspiegeln? Was muss die Politik jetzt liefern?

"Die COP31 sollte anerkennen, dass ambitionierte Klimaziele allein nicht ausreichen. Entscheidend ist, ob die politischen Instrumente zu ihrer Umsetzung wirksam, sozial gerecht und politisch dauerhaft tragfähig sind. In vielen Ländern bleiben Klimaziele formell bestehen, während zentrale Maßnahmen abgeschwächt, verzögert oder zurückgenommen werden. Die Politik muss deshalb verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, soziale und regionale Auswirkungen frühzeitig berücksichtigen und Beteiligung ermöglichen. Nur so lassen sich Unterstützung sichern, politischer Gegenwind begrenzen und Klimaziele tatsächlich erreichen."

Wo wurden wissenschaftliche Erkenntnisse aus Ihrem Forschungsgebiet in den vergangenen Jahren bereits aufgegriffen? Was ist gut gelaufen?

"Wissenschaftliche Erkenntnisse zu Beteiligung, Verteilungseffekten und lokaler Wertschöpfung werden zunehmend in der Energie- und Klimapolitik berücksichtigt. Ein Beispiel ist die kommunale Wärmeplanung in Deutschland: Sie verbindet langfristige Klimaziele mit konkreten Entscheidungen über lokale Infrastrukturen und schafft neue Räume für die Zusammenarbeit von Kommunen, Versorgern und Bürger. Gut gelungen ist, dass die Wärmewende dadurch stärker als lokale Gestaltungsaufgabe verstanden wird. Zugleich zeigt die Forschung, dass Beteiligung früh beginnen und Planungsprozesse konkreter, transparenter und sozial inklusiver werden müssen."

Dr. Charlotte Unger | "Ich hoffe auf starke multilaterale Zusammenarbeit und eine Klimapolitik, die das 1,5°C Ziel als Bezugspunkt nimmt, auch wenn wir uns auf einem Overshoot-Pfad befinden."

Fragen an Charlotte Unger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Fokus auf globale Klimapolitik, freiwillige kooperative Klimabündnisse und Desinformation (u. a.).

Welche Erkenntnis aus Ihrem Forschungsbereich sollte sich in den Ergebnissen der COP31 widerspiegeln? Was muss die Politik jetzt liefern?

"Ich hoffe auf starke multilaterale Zusammenarbeit und eine Klimapolitik, die das 1,5°C Ziel als Bezugspunkt nimmt, auch wenn wir uns auf einem Overshoot-Pfad befinden.
In einer von geopolitischen Konflikten geprägten Zeit sind Zusammenarbeit und Zusammenhalt besonders wichtig. Das geht aber nur mit Deutschland als zuverlässigen Partner und wenn unsere Kooperationsangebote nicht ausschließlich auf Transaktionalität und Eigeninteressen beruhen. Ich wünsche mir, dass Deutschland beim Ausstieg aus den fossilen Energien und einem auf erneuerbare Energien-beruhenden Elektrifizierungsziel mutiger voranschreitet. Vor allem Gerechtigkeitsaspekte müssen stärker in die Klimapolitik einbezogen werden, damit sie auch wirklich umgesetzt werden kann. Außerdem müssen die Länder gegen die wachsenden Klimafalschinformationen vorgehen."

Charlotte Unger

Dr. Charlotte Unger, RIFS - Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit | am GFZ

Wo wurden wissenschaftliche Erkenntnisse aus Ihrem Forschungsgebiet in den vergangenen Jahren bereits aufgegriffen? Was ist gut gelaufen?

"Die Erkenntnis, dass gesellschaftliche Aspekte für Klimawandel, -schutz und -politik die zentrale Rolle spielen hat sich mittlerweile sehr viel stärker etabliert. Das zeigt z.B. die Arbeit des Weltklimarats IPCC. Themen wie Verteilungs- und Prozessgerechtigkeit sind essentiell für die Implementierung von Maßnahmen. Wir brauchen jedoch noch mehr Wissen dazu, wie sich Klimaschutzinstrumente – aber auch das Fehlen dieser -auswirken, bzw.: Was wirkt und in welchem Kontext.
Derzeit entwickelt sich auch die Diskussion um die Reform der Vereinten Nationen im Klimabereich weiter. Die Klimaverhandlungen werden zum einen immer komplexer zum anderen scheitert Fortschritt auch an der meist notwendigen Einstimmigkeit von fast 200 Ländern und hier bedarf es neuer Formate und Konstellationen."

Welche Lösungen bringen Sie mit nach Antalya?

"Zum einen arbeite ich dazu, welche Art von internationaler Kooperation uns in der Klimapolitik derzeit am besten weiterbringen können. Z.B. beobachte ich „Koalitionen der Willigen“ d.h. oft auf ad hoc Basis-, bestimmten Nischen und Nutzen- beruhende Zusammenschlüsse von Ländern und anderen Akteuren. So eine Allianz könnte etwa rund um das das geplante Elektrifizierungsziel „35 – 35“ entstehen. Zum anderen beschäftigen wir uns am RIFS mit Kima-Desinformationen und Backlash-Bewegungen gegen Klimapolitik und Energiewende. Auf der COP gehen wir mit unserem Side Event hierzu in den Austausch mit Kolleg:innen aus aller Welt, um gemeinsam Gegenstrategien zu entwickeln."

Deborah Lika | "Auf der COP31 bringe ich eine Perspektive ein, wie Klimaschutzmaßnahmen inklusiver, partizipativer und widerstandsfähiger gestaltet werden können."

Deborah Lika ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Expertin für „Action for Climate Empowerment“ (ACE), UNFCCC-Prozesse und -Verhandlungen sowie die Einbindung junger Menschen in die Klimapolitik.

Sie sind auf dem Weg zur COP – welche Lösungsansätze bringen Sie mit nach Antalya?

"Auf der COP31 bringe ich eine Perspektive ein, wie Klimaschutzmaßnahmen inklusiver, partizipativer und widerstandsfähiger gestaltet werden können. Meine Forschung untersucht, wie „Action for Climate Empowerment“ (ACE) über die reine Sensibilisierung hinaus zu einem sinnvollen öffentlichen Engagement führen kann. Ich untersuche, wie die digitale Transformation, Fehlinformationen und sich veränderndes Vertrauen in Institutionen die Zukunft des Climate Empowerment prägen könnten. Durch eine Kombination aus Erkenntnissen aus dem ACE-Umsetzungsprozess und einem zukunftsorientierten Ansatz hoffe ich, Wege zu finden, um die Fähigkeit der Menschen zu stärken, Klimabeschlüsse zu verstehen, sich damit auseinanderzusetzen und sie zu beeinflussen."

Deborah Lika

Deborah Lika, RIFS - Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit | am GFZ

Welche Erkenntnisse aus Ihrem Forschungsgebiet sollten sich in den Ergebnissen der COP31 widerspiegeln?

"Meine Forschung zeigt, dass ACE zwar zunehmend Beachtung findet, die Umsetzung in die Praxis jedoch nach wie vor eine Herausforderung darstellt. In vielen Ländern mangelt es weiterhin an ausreichender Finanzierung, Ressourcen und Koordination zwischen den Institutionen. Die COP31 sollte ACE als wichtigen Bestandteil des Klimaschutzes anerkennen und nicht nur als zusätzliche Verpflichtung betrachten. Die Politik muss mehr in Klimabildung investieren, die Zusammenarbeit zwischen Regierungen und anderen Akteuren stärken und bessere Wege finden, um Fortschritte zu messen. Gleichzeitig müssen wir überdenken, wie wir mit der Öffentlichkeit in Kontakt treten, insbesondere da Fehlinformationen, digitale Ungleichheiten und schwindendes Vertrauen in Institutionen zunehmend beeinflussen, wie Menschen den Klimawandel verstehen und darauf reagieren."

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