Hitzeschutz dauerhaft verankern
Am 23. September 2026 fand im Deutschen Bundestag eine öffentliche Anhörung des Ausschusses für Gesundheit zum Thema Hitzeschutz statt. Dr. Alexandra Schneider und Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann (beide Helmholtz Munich) haben als Sachverständige an der Anhörung teilgenommen.
Alexandra Schneider betont in ihrer Stellungnahme zum Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Hitzekrise ernst nehmen – Hitzeschutz verbindlich, sozial gerecht und finanziell absichern unter anderem die Bedeutung von kommunalen Hitzeaktionsplänen, eines resilienten Gesundheits- und Pflegesystems sowie gezielter Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen. Auch der Hitzeschutz von Kindern in Schulen und Kitas spielt eine wichtige Rolle.
Aus gesundheitlicher Sicht bestehe ein dringender Handlungsbedarf der zunehmenden Hitze zu begegnen. Besonders die verbindliche Einführung kommunaler Hitzeaktionspläne, deren systematische Evaluation sowie die Etablierung verbindlicher Hitzeschutzstandards im Gesundheits- und Pflegesystem seien geeignet, die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze wirksam zu reduzieren.
Angesichts der prognostizierten Zunahme von Hitzetagen und Hitzewellen sollten Hitzeschutzmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung sowie aus ökonomischer Perspektive unbedingt als fester Bestandteil einer langfristigen Gesundheitsvorsorge verstanden und entsprechend dauerhaft finanziert und von Bundes- bis kommunaler Ebene strukturell verankert werden.
Neben Alexandra Schneider war auch Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann (Inhaberin Lehrstuhl für Umweltmedizin Universität Ausburg und Direktorin des Instituts für Umweltmedizin, Helmholtz Munich) als Sachverständige vertreten. In ihrer Stellungnahme macht sie deutlich: Wir dürfen nicht erst handeln, wenn Menschen durch Hitze erkranken. Der Sommer 2026 habe uns die Dringlichkeit erneut vor Augen geführt. Hitzeschutz brauche verbindliche Strukturen und eine dauerhafte Finanzierung – von Hitzeaktionsplänen über den Schutz in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas bis hin zur ärztlichen Prävention.
Zudem betont sie, dass auch die Gestaltung unserer Lebensräume ein wichtiger Baustein des vorsorgenden Hitzeschutzes ist – insbesondere durch natürliche Infrastruktur, die kritische Infrastruktur ist. Begrünung, Bäume, Gewässer und gesunde Böden könnten Hitzebelastungen mindern und zu gesundheitsfördernden, resilienten Lebensräumen beitragen, stellt die Expertin ergänzend heraus.
Forschung schafft Grundlagen für wirksamen Hitzeschutz
Wie stark Menschen durch Hitze belastet werden, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Alexandra Schneider hat gemeinsam mit weiteren Forschenden untersucht, welche sozialen und strukturellen Bedingungen die Hitzeexposition beeinflussen – etwa Alter, sozioökonomische Faktoren und die Wohnsituation. Die Studie kann auf dem Publikationsserver von Helmholtz Munich abgerufen werden.
Auch bei der Entwicklung konkreter Vorsorgemaßnahmen spielt Forschung eine wichtige Rolle: So war Dr. Franziska Matthies-Wiesler (auch Helmholtz Munich) an der Entwicklung des aktuellen WHO-Leitfadens für gesundheitliche Hitzeaktionspläne beteiligt. Der Leitfaden beschreibt acht Kernelemente und bietet konkrete Entscheidungshilfen für die Planung und Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen.
Hitzeschutz geht dabei über den Gesundheitsschutz hinaus. Wie stark sich Städte aufheizen, wird auch durch Stadtplanung, Gebäude, Grünflächen und Wasser geprägt. Helmholtz-Forschung untersucht unter anderem klimaresiliente Stadtbäume und blau-grüne Infrastrukturen, die zur Kühlung beitragen und gleichzeitig helfen können, Wasser in Städten zurückzuhalten.
Wirksamer Hitzeschutz braucht beides: Wissen über gesundheitliche Risiken und gezielte Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung – und Forschung zu den Systemen und Strukturen, die unsere Städte und Gesellschaften resilienter gegenüber Hitze machen.