04.04.2022
Meike Lohkamp

Die Fakten sind eindeutig: Die Zeit zum Handeln ist gekommen

Der am 4. April 2022 erschienene dritte Teil des sechsten Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC (AR 6) zeigt: Noch haben wir die Chance, die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Dazu müssen wir unsere Treibhausgasemissionen bis 2030 halbieren. Mit sofortigen und tiefgreifenden Veränderungen ist das möglich.

Zwischen 2010 und 2019 wurden jährlich so viele Treibhausgase wie noch nie in der Geschichte der Menschheit ausgestoßen. Allerding steigen die Emissionen langsamer als in der Dekade zuvor, denn immer mehr Länder ergreifen Klimaschutzmaßnahmen. Werden wirksame Mittel durch Gesetze, politische Regulierungen oder marktwirtschaftliche Instrumente ausgeweitet und gerechter angewandt, können sie Emissionen nachhaltig reduzieren und zu Innovationen anregen. Laut Weltklimarat haben die Menschheit in allen Sektoren Möglichkeiten, die Emissionen bis 2030 mindestens zu halbieren:

Im Energiesektor können weniger fossile Brennstoffe verbraucht werden, etwa indem der Sektor weitestgehend elektrifiziert wird, die Energieeffizienz verbessert und alternative Brennstoffe wie Wasserstoff zum Einsatz kommen.

Städte und städtische Gebiete können ihre Emissionen durch die Schaffung kompakter, begehbarer Städte, eine Elektrifizierung des Verkehrs in Kombination mit emissionsarmen Energiequellen und verbesserten natürlichen Aufnahme- und Speichermöglichkeiten von Kohlenstoff senken.

In der Industrie können Emissionen durch eine effizientere Nutzung von Materialien, die Wiederverwendung und Recycling von Produkten sowie die Minimierung von Abfällen verringert werden. Bei Grundstoffen, einschließlich Stahl, Baumaterialien und Chemikalien, befinden sich treibhausgasarme bis treibhausgasfreie Produktionsverfahren in der Pilot- bis Fast-Wirtschaftlichen-Phase. Auf diesen Sektor entfällt etwa ein Viertel der weltweiten Emissionen.

Land- und Forstwirtschaft sowie andere Landnutzungsformen können in großem Umfang zur Emissionsminderung als auch zur großskaligen Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid beitragen. Allerdings kann die Landnutzung nicht die verzögerten Emissionsreduktionen in anderen Sektoren kompensieren.

Die nächsten Jahre sind entscheidend

In den vom IPCC bewerteten Szenarien erfordert eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf etwa 1,5°C, dass die weltweiten Treibhausgasemissionen spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um 43 % gesenkt werden; gleichzeitig müsste auch der Methanausstoß um etwa ein Drittel reduziert werden. Doch selbst wenn das realisiert wird, ist es fast unvermeidlich, dass wir diese Temperaturschwelle vorübergehend überschreiten. Die globale Temperatur wird sich stabilisieren, wenn die Kohlendioxidemissionen netto null erreichen. Für das Erreichen des 1,5°C-Ziels würde das bedeuten, dass die Kohlendioxidemissionen weltweit in den frühen 2050er Jahren netto null betragen müssten. Um eine Erwärmung um höchstens 2°C zu erreichen, wäre  in den frühen 2070er Jahren nötig. Doch auch wenn die globale Erwärmung auf 2°C steigt, ist es erforderlich, dass die globalen Treibhausgasemissionen bis spätestens 2025 ihren Höhepunkt erreichen und bis 2030 um ein Viertel reduziert werden. Egal, welches Szenario also zugrunde gelegt wird, schnelles und entschlossenes Handeln sind für den Klimaschutz nun unausweichlich. „Es gilt, jetzt oder nie, wenn wir die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen wollen“, sagte Jim Skea, der Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe III. „Ohne sofortige und tiefgreifende Emissionsminderungen in allen Sektoren wird es unmöglich sein.“

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