14.03.2024
Meike Lohkamp

Auf der Polarstern von Kapstadt nach Tasmanien

Sam Sellmaier war für eine Forschung im Rahmen der Masterarbeit am Alfred-Wegener-Institut Helmholtz Institut für Polar- und Meeresforschung für zehn Wochen auf der Polarstern im Indischen Ozean und Südpolarmeer unterwegs. Hier erzählt Sam, wie das Leben an Bord mit fast 100 Fremden ist. 

Sam Sellmaier
Sam Sellmaier
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AWI/ David Menzel

Sam, kanntest du vor Expeditionsbeginn schon einige der Teilnehmenden? 

Einige der Expeditionsteilnehmenden kannte ich schon von einem Vorbereitungsseminar zum Umweltschutz, welches für alle Expeditionsteilnehmenden verpflichtend ist. Dass ich bei diesem Seminar schon andere Teilnehmende kennengelernt habe und wir gemeinsam nach Kapstadt geflogen sind, hat mir viel Sicherheit gegeben. Denn am meisten Angst hatte ich davor, 10 Wochen lang mit fast hundert Fremden auf einem Boot zu sein, das ist schon nicht ohne. Als queere Wissenschaftler:in sind Feldarbeiten besonders herausfordernd. Viele neue Menschen kennen lernen bedeutet auch viele Outings, Räume abchecken, die Angst haben, dass die anderen Teilnehmenden mit Unverständnis, oder gar Ablehnung reagieren. Misgendert werden, distanzieren, Aufklärungsarbeit leisten. Ich konnte mir während der Fahrt einen sehr unterstützenden safe space aufbauen, das hat die Fahrt extrem besonders gemacht. 

Wie wart ihr auf dem Schiff untergebracht?

Vom Chief Scientist wurden wir alle in Zweier-Kabinen – und eine Dreier-Kabine – aufgeteilt. Ich hatte Glück und habe mich mit meinem Zimmergenossen David sofort super verstanden, und wir haben uns schnell sehr eng angefreundet. Gemeinsam haben wir uns eine Kabine mit rund 10 qm, einem Stockbett, einem Sofa, einem Schreibtisch sowie einer eigenen Nasszelle geteilt. 

Und dann habt ihr gearbeitet von 9 bis 17 Uhr?

Nein, die Arbeit auf dem Schiff ist schon ganz anders als die Arbeit zuhause. Arbeit ist immer, wenn wir an der Station sind, das kann auch mal zwanzig Stunden pro Tag bedeuten. Ich habe während der Fahrt atmosphärisches Methan gemessen und Wasserproben genommen und ausgewertet. Dabei habe ich noch nie so ein Teamgefühl wie auf der Polarstern erlebt. Wir alle haben uns unterstützt, jede:r hat alle möglichen Arbeiten übernommen. Wir haben sehr aufeinander geachtet, wenn jemand zu kaputt war, haben wir auch da übernommen. 

Eislandschaft
Eislandschaft
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Sam Sellmaier

Was hast du denn in deiner Freizeit gemacht?

Um ein bisschen abzuschalten, haben wir im Aufenthaltsraum Spiele gespielt, Karaoke gesungen, Barabende veranstaltet oder uns beim Sport im Fitnessstudio oder im Pool verausgabt und anschließend in der Sauna regeneriert. Und wer alleine sein wollte, konnte im Zimmer lesen oder einen der Filme vom Polarstern-Server gucken. 

Und wie war das Essen? 

Da Arbeit eigentlich immer und zu jeder Zeit möglich war und es auch immer hell war, egal ob Tag oder Nacht, war es vor allem das Essen, was unseren Tag strukturiert hat. Von 7:30 bis 8:30 gab es Frühstück, von 12:30 bis 13:30 Mittagessen, um 15:30 Kuchen, von 17:30 bis 18:30 Abendessen. Das war für mich eine Herausforderung. Nicht nur, dass diese Zeiten weit vor meinen eigentlichen Essenszeiten liegen, auch esse ich eigentlich vegan, und uns ging aber nach zwei Wochen schon das frische Obst und Gemüse aus, so dass ich dann vegetarisch gegessen habe, ansonsten hätte es hauptsächlich Kartoffeln mit Ketchup gegeben. Wenn man abends dann noch Hunger hatte, konnte man sich immer vom Essen des Abendessens bedienen, und auch Brot, Erdnussbutter und Marmelade waren immer verfügbar. Dreimal die Woche hatte ein kleiner, von der Crew betriebener Kiosk auf, wo es je nach Tag entweder Snacks, Drogerieprodukte, Getränke oder andere Dinge zu kaufen gab. Allerdings hatte dieser Kiosk auch nur 15 bis 30 Minuten geöffnet, so dass schnell gehandelt werden musste. Trotzdem habe ich das Einkaufen sehr genossen, war das doch die einzige selbstbestimmte Konsumentscheidung, die ich während der zehn Wochen treffen konnte. 

Expeditionsteilnehmende vor der Polarstern
Expeditionsteilnehmende vor der Polarstern
©
AWI/ David Menzel

Was waren deine Highlights?

Besonders schön waren für mich Weihnachten und Silvester. Wir haben alle zusammen auf dem Eis gefeiert. Haben Fußball gespielt, sind Langlauf gefahren. Das war toll. Einmal haben wir mit kleinen Zodiac-Booten die Australische Antarktische Davis Station an Land besucht, auch das war sehr aufregend. Zudem natürlich die beeindruckende Landschaft, das Eis, die vielen Pinguine und Wale. Daran werde ich wohl noch länger denken.

Zum Abschluss: Würdest du nochmal die Polarstern gehen?

Wenn ich die Möglichkeit dazu bekomme, dann jederzeit!

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