KLIMA Lunch | Umweltforschungsdaten als strategische Ressource – wie sichern wir Wissen und Handlungsfähigkeit?
Forschungsdaten sind die Grundlage dafür, den Klimawandel zu verstehen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, Infrastruktur zu planen und evidenzbasierte Entscheidungen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu treffen. Über Jahrzehnte entstandene Datensätze zu Eis, Atmosphäre, Ökosystemen oder dem Ozean machen langfristige Veränderungen im Erdsystem sichtbar und sind unverzichtbar für die (Weiter-) Entwicklung von Klimamodellen und -projektionen. Ihre Bedeutung reicht dabei weit über die Forschung hinaus: Verlässliche Umweltforschungsdaten sind eine strategische Ressource für staatliche Handlungsfähigkeit – etwa für Katastrophen- und Küstenschutz, nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen, technologische Souveränität sowie für datenbasierte Innovationen wie digitale Zwillinge.
Doch Forschungsdaten sind verletzlich. Veränderte politische Prioritäten, technische Ausfälle, Cyberangriffe oder Abhängigkeiten von einzelnen Infrastrukturen können dazu führen, dass Daten nicht mehr erhoben oder zugänglich gemacht werden. Damit wird die langfristige Sicherung von Daten zu einer Frage wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Resilienz. In einer Zeit, in der sich die globalen Rahmenbedingungen für Wissenschaft und internationale Forschungskooperationen grundlegend verändern, stehen Deutschland und Europa vor der Aufgabe, ihre Rolle als verlässliche Standorte für freie, offene und unabhängige Forschung zu stärken. Welche politischen und institutionellen Rahmenbedingungen braucht es, damit diese strategische Ressource und die Forschungsinfrastrukturen dahinter auch unter politischem oder geopolitischem Druck verlässlich geschützt und verfügbar bleiben?
Wir diskutieren mit:
- Prof. Dr. Frank Oliver Glöckner ist Leiter des Bereichs Data am Rechen- und Datenzentrum des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven (AWI) und Professor für Erdsystem Datenwissenschaften an der Universität Bremen. Er leitet zudem PANGAEA, eine international etablierte Datenplattform für Erd- und Umweltwissenschaften und Sprecher des NFDI4Biodiversity Konsortiums der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Forschungsdatenmanagement, bei FAIR- und Open Data, der Datenintegration und dem Aufbau nachhaltiger Forschungsdateninfrastrukturen.
- Sören Lorenz ist Chief Information Officer (CIO) und Leiter des Ocean Research Technology Centre (ORTC) am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Seine Schwerpunkte liegen auf digitalen marinen Forschungsinfrastrukturen, IT- und Datenstrategien sowie Digital Science. Er engagiert sich unter anderem in der Helmholtz Metadata Collaboration und im Konsortium der NFDI4Earth der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur für gemeinsame Standards und interoperable Forschungsdaten.
Hinweis: Die Teilnahme erfolgt auf persönliche Einladung.