Forschungsdaten als strategische Ressource – Wissen und Handlungsfähigkeit sichern
Beim KLIMA Lunch der Dialog-Plattform Helmholtz KLIMA kamen 20 Mitarbeiter:innen und Referent:innen des Deutschen Bundestages sowie aus Bundesministerien mit Experten der Helmholtz-Gemeinschaft ins Gespräch. Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, wie wir die Ressource „Umweltforschungsdaten“ sichern und strategisch nutzen können.
Forschungsdaten schaffen die Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen und helfen, Veränderungen zu verstehen und einzuordnen. Doch wie lässt sich dieses Wissen langfristig sichern – und welche Strukturen braucht es, damit Forschungsdaten auch unter veränderten technologischen und geopolitischen Rahmenbedingungen verlässlich zugänglich bleiben? Diese Fragen diskutierten unsere Gäste mit zwei Experten der marinen Forschung aus der Helmholtz-Gemeinschaft.
Daten sichern, Handlungsfähigkeit erhalten
Prof. Dr. Frank Oliver Glöckner ist Leiter des Bereichs Data am Rechen- und Datenzentrum des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven (AWI) und Professor für Erdsystem Datenwissenschaften an der Universität Bremen. Er leitet zudem PANGAEA, eine international etablierte Datenplattform für Erd- und Umweltwissenschaften und ist Sprecher des NFDI4Biodiversity Konsortiums der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. Frank Oliver Glöckner lenkte den Blick auf die politische und geopolitische Dimension von Forschungsdaten.
In seinem Impuls verwies er auch auf ein konkretes Beispiel der Sicherung von Forschungsdaten aus den USA: PANGAEA stellt seit Ende April 2026 Daten, die zuvor über die National Oceanic and Atmospheric Association (NOAA)-Website zugänglich waren, öffentlich bereit und gewährleistet ihre langfristige Verfügbarkeit. Unter dem Label „US Data Rescue Initiative 2025“ werden dort historische Datensätze gesichert, die in den USA künftig schwerer zugänglich sein könnten.
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Auch Sören Lorenz brachte seine Expertise ein. Er ist Chief Information Officer (CIO) und Leiter des Ocean Research Technology Centre (ORTC) am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Seine Schwerpunkte liegen auf digitalen marinen Forschungsinfrastrukturen, IT- und Datenstrategien sowie Digital Science. Er engagiert sich unter anderem in der Helmholtz Metadata Collaboration und im Konsortium der NFDI4Earth, der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur für gemeinsame Standards und interoperable Forschungsdaten.
Sören Lorenz machte deutlich, dass der Zugang zu Daten allein nicht ausreicht. Klimadaten müssten langfristig zugänglich, resilient und sicher sein. Dafür brauche es Forschungsinfrastrukturen, die Daten über einzelne Projekte und Förderperioden hinaus sichern und nutzbar halten. Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Marine Data Portal: Es bündelt unterschiedliche Datenquellen und macht sie über einen gemeinsamen Zugang und eine einheitliche Visualisierung nutzbar. Dort finden sich etwa Daten zur Meeresbodenkartierung aus Transitfahrten von Forschungsschiffen ebenso wie Informationen zu Munition im Meer. Das seien Daten, so Sören Lorenz bei seinem Inpuls "mit wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und sicherheitspolitischer Relevanz".
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Besonders deutlich wird diese Frage am Beispiel der Meeresforschung. Globale Beobachtungssysteme liefern Daten, die für die Erforschung von Klimaveränderungen und des Erdsystems unverzichtbar sind. Gleichzeitig sind solche Systeme auf internationale Zusammenarbeit und verlässliche Infrastrukturen angewiesen. Veränderungen bei einzelnen Partnern können damit auch Auswirkungen auf die Verfügbarkeit globaler Forschungsdaten haben.
Drei Empfehlungen an die Politik
- Nationale Förderung für langfristige Implementierung resilienter Forschungsdaten-Infrastrukturen
- International infrastrukturelle Redundanzen fördern – gegen geopolitische Instabilität
- Führung Deutschlands im Rahmen der internationalen (Klima-) Datenresilienz etablieren
Forschungsdaten sind damit mehr als eine Ressource für die Forschung. Ihre langfristige Verfügbarkeit, Sicherheit und Nutzbarkeit sind eine Voraussetzung dafür, dass Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auch unter veränderten technologischen und geopolitischen Rahmenbedingungen auf belastbares Wissen zurückgreifen und handlungsfähig bleiben können.